Apotheken im Umbruch: Jeder vierte kauft mittlerweile frei verkäufliche Arzneimittel online.

Im Rahmen des CASA Monitors Konsum befragte infas 360 im Mai und Juni 2019 über 10.000 Personen online-repräsentativ u.a. zum Einkaufsverhalten in Apotheken und Drogerien.

Neben Produkten wie Pflege & Beauty (siehe dazu auch Blogbeitrag zur Dermatologie) konnten die Befragten angeben wo sie überwiegend frei verkäufliche Arzneimittel kaufen würden. Überraschend stark zeigte sich hier die Online-Apotheke mit 26,9% weiter dominiert von der klassisch stationären Apotheke mit 61,2% (siehe nachfolgende Ergebnistabelle).

Wo kaufen Sie Arzneimittel (nicht rezeptpflichtig, z. B. Kopfschmerztabletten) ein? n=10.303 Befragte, Quelle: CASA Monitor Konsum, 2019
Hauptsächlich in der Apotheke (stationär) 61,20%
Hauptsächlich in der Online-Apotheke 26,90%
Hauptsächlich im Drogeriemarkt 4,11%
Egal wo, Hauptsache im Geschäft 2,37%
Egal wo, Hauptsache online 1,28%
Gar nicht 4,14%

Zum Vergleich: Im Bereich Beauty & Pflege gaben nur 3%, an diese Produkte über die Versandapotheke zu beziehen. Hier dominieren mit 67,5% klar die Drogeriemärkte.

Durch die hohen Fallzahlen und weiteren Datenquellen der infas 360 können nun die einzelnen Käufergruppen beliebig intensiv untersucht werden, so z.B. auch apothekenspezifisch, da die jeweilige Wohnlage zur entsprechend nächsten Apotheke bekannt ist (Geomarketing für Apotheken).

Sollten Sie weiterführende Informationen zu den Online-Apothekenkäufern wünschen, dann kontaktieren Sie einfach unser Consulting-Team unter Consulting@infas360.de

P.S.: Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken BVDVA beziffert die Anteile auf seiner Webseite mit 42% (Bitkom, 2018) sogar noch deutlich höher.

 

Apothekensterben gestoppt?

Seit dem Jahr 2000, als der Höchststand mit 21.592 Apothekenstandorte in Deutschland erreicht war, sinkt die Zahl bis auf zuletzt 20.249 in 2015. Das ist eine Gesamtabnahme von 6,2% verteilt über 15 Jahren. In 2012 erfolgte die größte Standortbereinigung als 501 Apotheken geschlossen wurden. Demgegenüber standen 181 Neueröffnungen, was einem Nettosterben von 1,5% entspricht. In 2015 waren es nur noch 346 Schließungen gegenüber 154 Neueröffnungen. Die Anzahl  der Standorte sinkt also kontinuierlich, aber mit abnehmender Tendenz.

Kennziffern für den Versorgungsgrad der Apotheken gegenüber der Bevölkerung sind u.a. die Apothekendichte (Anzahl der Standorte pro 100.000 Einwohner, BRD = 25, EU = 31), die Erreichbarkeit (Mittlere Entfernung der Bevölkerung zu den nächsten drei Apotheken), die Öffnungszeiten und die Servicequote (Beschäftigtenzahl pro Standort).

Wird i.d.R. nur die Kennzahl der Apothekendichte als international vergleichende Maßzahl herangezogen, zeigt sich bei den anderen Versorgungsparametern ein differenziertes Bild, welches wiederkehrend von infas 360 untersucht wird. Dazu werden alle verfügbaren Daten der aktuellen Apothekenstandorte adressgenau lokalisiert und mit den sozio-demographischen Daten der jeweils lokalen Einzugsergebnisse verknüpft. Dieser Versorgungsgrad pro Apotheke, in den auch die mittlere Entfernung zu Ärzten und Krankenhäusern mit einbezogen werden kann, wird „bottom-up“ hochgerechnet und kommt dann verständlicherweise zu anderen Ergebnissen.

Denn die größte Schwäche, wenn man lediglich die Apothekendichte im Vergleich betrachtet, liegt im fehlenden Bezug zur Fläche bzw. dem zu versorgenden Gebiet. Beispiel: Ein großes Gebiet mit 100.000 Einwohner und 25 Apotheken (z.B. auf dem Land) wird einem kleinen Gebiet mit ebenfalls 100.000 Einwohnern und 25 Apotheken (z.B. Stadtviertel) statistisch gleichgesetzt.

Kontakt: Consulting@infas360.de

Quellen:
Pressemitteilung ADBA Apothekenzahl 2015 weiter gesunken
Mitteilung ADBA Entwicklung der Apothekenzahl