Predictve Analytics: Gibt es einen Pleitefaktor für Unternehmergesellschaften?

Die Antwort lautet: Ja! Geht statistisch etwa jede fünfte haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft, kurz UG(h), pleite, verbessern Daten und Analysen diese Vorhersage deutlich.

Die UG(h) wurde 2008 als kleinere Variante der herkömmlichen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) geschaffen und stellt eine beliebte Gründungsform für Start-ups dar. Gründung, Änderungen und Löschung (durch Insolvenz) werden wie bei der GmbH im Handelsregister vermerkt.

Das Handelsregister wiederum wird von infas 360 tagtäglich analysiert und ausgewertet. Für ein Projekt ergab sich nun die Fragestellung: Zeichnen sich Insolvenzen von UG(h)-Neugründungen durch spezifische Indikatoren aus, die als eine Art „Pleitefaktor“ im Moment einer zukünftigen Neueintragung (also ad hoc) vorhergesagt werden können?

Basis der Untersuchung waren alle UG(h)-Neueintragungen seit 2008 bis heute, die entweder immer noch existieren oder bis zum 31.12.2014 als ‚liquidiert‘ bzw. als ‚vermögenslos‘ im Handelsregister hinterlegt wurden. Es handelt sich dabei um rund 100.000 Fälle (siehe nachfolgende Tabelle).

UG(h)
ABSOLUT
‚Pleite‘ nur Männer nur Frauen
Nein               74.365               58.384                15.981
Ja                    25.053               19.383                  5.670
Gesamt        99.418               77.767                21.651
RELATIV
‚Pleite‘ nur Männer nur Frauen
Nein 79% 21%
Ja 77% 23%
Gesamt 78% 22%

Da zu den jeweiligen Unternehmen auch die Adresse existiert, konnten diese mit weiteren vorliegenden Businessinformationen angereichert werden wie z.B. Gebäudetyp, Gewerbeflächen, Gebäudenutzung, weitere bekannte Firmen je Adresse und Branche, Lage usw.

Das Ergebnis des im ersten Schritt noch bewusst einfach gehaltenen Prognosemodells (logistische Regressionsanalyse) ist bereits erstaunlich. Liegt der ’natürliche‘ Pleitefaktor bei rund jeder 5. UG(h), so wird die Vorhersage dank der o.g. Daten auf Adressebene um über 1/3 verbessert. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Die Vorhersage, dass der Zonk hinter einem von 5 Türen steckt, wird auf 3 Türen reduziert.

Hier einige der Treiberfaktoren für eine ‚Pleite‘:

  • Firmen in Großstädten, die in Central Business Districts (CBD) liegen, gehen mit 8% höherer Wahrscheinlichkeit pleite, als Firmen in Großstädten, die nicht im CBD liegen.
  • Firmen in Großstädten, die in einem Industrie- und Gewerbegebiet liegen, gehen mit 10% geringerer Wahrscheinlichkeit pleite, als Firmen in Großstädten, die nicht in einem solchen Gebiet liegen.
  • In Großstädten gehen Firmen, bei denen nur Männer im Handelsregister eingetragen sind, mit 14% geringerer Wahrscheinlichkeit pleite

In einem der nächsten Schritte wird das Modell nun mit den Pleiten (Echtfällen) von UG(h)s aus den Jahren 2015-2018 trainiert. Sie haben Fragen zum Pleitefaktor? Dann kontaktieren Sie unser Consulting-Team unter Consulting@infas360.de

Berlin ist Top-Gründerstadt Deutschlands. Es folgen München, Hamburg und Frankfurt. Bonn hat prozentual die Nase vorn!

Auf Anfrage hat infas 360 alle Handelsregistereintragungen im Zeitraum von Juni 2018 und Mai 2019 nach Unternehmensneugründungen adressgenau ausgewertet. Die Daten können so regional in beliebige Gebiete aufsummiert werden und liegen für weitere Auswertungen sowohl für alle  Städte- und Gemeinden als auch die 5-stelligen Postleitzahlen vor.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Top 15 im Städte-Ranking nach Neugründungen (absolut). Berlin ist sowohl in der Gesamtzahl der Unternehmen als auch in den Neugründungen innerhalb eines Jahres (siehe o. g. Zeitraum) in Deutschland führend. Das Verhältnis zueinander wird in % ausgewiesen. Danach wäre Bonn mit Abstand die Top-Gründerstadt unter den genannten 15 Städten.

Ranking Stadt Anzahl Unternehmen Anzahl Neugründungen %
1 Berlin 94.398 10.694 11,3%
2 Hamburg 57.149 5.334 9,3%
3 München 46.220 4.623 10,0%
4 Frankfurt 23.228 2.426 10,4%
5 Düsseldorf 21.724 2.315 10,7%
6 Köln 25.210 2.204 8,7%
7 Essen 9.612 1.077 11,2%
8 Bremen 11.294 966 8,6%
9 Stuttgart 13.117 964 7,3%
10 Leipzig 10.231 935 9,1%
11 Bonn 5.655 889 15,7%
12 Hannover 10.047 868 8,6%
13 Nürnberg 9.565 782 8,2%
14 Dortmund 8.184 728 8,9%
15 Dresden 8.199 616 7,5%

Die Daten liegen als Gründungsatlas für alle 5-stelligen Postleitzahlen vor und können interaktiv hier abgerufen werden.

Selbstverständlich können die Untersuchung der Neugründungen beliebig geändert und ausgeweitet werden. So z.B. liegen der infas 360 die  Handelsregisterdaten tagesaktuell, nach Geschlecht und Alter vor. Den Gründungen können so auch die Schließungen oder die Wirtschaftskraft eines Gebiets, indem die Neugründungen erfolgen, gegenübergestellt werden. Aktuell untersucht infas 360 geschlechterspezifisch die Wiederschließungen von Neugründungen in der letzten 5 Jahren.

Sollte Sie weiterführende Fragen zu Neugründungen oder Unternehmensinformationen (B2B-Informationen bis auf Adressebene) haben, dann kontaktieren Sie unser Consulting-Team unter Consulting@infas360.de