Migration und Regionalität

Schatten einer Familie vor einer Mauer

Migration Teil 1 „Regionale Unterschiede“

Die Zahl der Asylanträge im Jahr 2015 (476.649) wurde im Juli 2016 mit 479.620 Asylanträgen (Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge) wieder übertroffen. Zählt man beide Jahre zusammen kommt man auf rund eine Million Anträge, das entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Köln. Wann diese Entwicklung an Dynamik verliert, ist derzeit nicht abzusehen. Es verwundert daher kaum, dass die Migration und Integration von Flüchtlingen sowie deren Auswirkungen Teil des öffentlichen und des wissenschaftlichen Diskurses sind.

„Wie kann Integration gelingen?“, das ist dabei die zentrale Frage. Diese Frage ist unmittelbar mit der Frage „Wo in Deutschland?“ verknüpft. Denn auch wenn die Integration von Einwanderern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist, so entscheidet letztlich die Situation vor Ort über das tatsächliche Gelingen von Integration.

Wir betrachten im Folgenden dazu das direkte Wohnumfeld auf Ebene des Siedlungsblocks. Um sich die Ebene Siedlungsblock besser vorstellen zu können, nehme man an, dass man nach dem Verlassen der Haustür immer nach links oder immer nach rechts abbiegt, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet. Im Regelfall steht man nach viermaligem Abbiegen wieder am Ausgangspunkt und hat somit den Siedlungsblock umrundet.

Zur Beschreibung bestehender Migrationsmuster wird der Migrationsanteil im Siedlungsblock analysiert. Der Migrationsanteil beschreibt den Prozentsatz der Personen im Siedlungsblock, die selbst oder deren Vorfahren aus einem anderen Staat nach Deutschland eingewandert sind. Ausführlichere Informationen zum Merkmal finden Sie am Ende des Artikels.

1. Migrationsanteil in ganz Deutschland

In der Bundesrepublik lebten im Jahr 2015 laut Destatis ca. 17 Mio. Menschen (ca. 21%) mit Migrati-onshintergrund im engeren Sinne. Bezogen auf den Siedlungsblock zeigt sich, dass es in annähernd der Hälfte (48 Prozent) aller bundesdeutschen Siedlungsblöcke keine Bewohner mit Migrationshin-tergrund gibt. Dieses globale Maximum der Verteilung wird gefolgt von einer flachen Glockenkurve, deren lokales Maximum (14 Prozent) Siedlungsblöcken mit einem Migrationsanteil zwischen 10 und 20 Prozent bilden. Nur ca. 3 Prozent der Siedlungsblöcke weisen einen Migrationsanteil von 60 und mehr Prozent auf.

Migrationsanteil im Siedlungsblock Deutschland
Migrationsanteil im Siedlungsblock Deutschland

2. Regionale Unterschiede zwischen Ost und West

Wie wichtig der regionale Bezug beim Thema Migration ist, wird an folgender Stelle bereits deutlich: Der Mikrozensus 2013 hat einen deutlich höheren Migrationsanteils an der Gesamtbevölkerung für die westlichen Bundesländer (ca. 24 Prozent) im Vergleich zu den neuen Bundesländer (ca. 5 Prozent) ermittelt. Aufgrund des deutlich höheren Anteiles in Westdeutschland verwundert es nicht das die bundesweite Verteilung des Migrationsanteils im Siedlungsblock tendenziell der Verteilung der westlichen Ländern gleicht. Das Globale Maximum der Siedlungsblöcke ohne Migrationsanteil liegt im Westen jedoch 8 Prozentpunkte (40 Prozent) unter dem der bundesweiten Verteilung (48 Prozent) – dafür ist die Glockenkurve dementsprechend spitzer.

Migrationsanteil im Siedlungsblock, Ost - West Vergleich
Migrationsanteil im Siedlungsblock, Ost – West Vergleich

In den östlichen Bundesländern bilden die Siedlungsblöcke ohne jeglichen Migrationsanteil mit über 77 Prozent das absolute Maximum der Verteilung. Der Großteil der Einwanderer verteilt sich in den östlichen Bundesländern immer noch auf Siedlungsblöcke mit nur geringem Migrationsanteil. So haben lediglich sechs Prozent der Siedlungsblöcke in den östlichen Ländern einen Migrationsanteil von zehn und mehr Prozent. Segregationstendenzen spielen somit in den östlichen Bundesländern kaum eine Rolle. Natürlich unterscheiden sich westliche und östliche Bundesländer gravierend hin-sichtlich des absoluten Migrationsanteils an der Bevölkerung, in wie weit dieses Phänomen jedoch die deutlich voneinander abweichenden Verteilungen des Migrationsanteils auf Siedlungsblockebene erklärt, ist offen.

3. Unterschiede nach Siedlungsstruktur

Disparitäten hinsichtlich der Verteilung der Einwanderer im Siedlungsblock finden sich jedoch nicht nur zwischen Ost und West. Auch zwischen siedlungsstrukturellen Gebietstypen (Großstädte, Mittelstädte, Kleinstädte und Landgemeinden) gibt es gravierende Varianzen. In Großstädten beträgt der Anteil von Siedlungsblöcken ohne Einwanderer etwa zwei Drittel weniger (15 Prozent) als bei der bundesweiten Betrachtung (48 Prozent). Am häufigsten kommen in Großstädten Siedlungsblöcke mit einem Migrationsanteil von 20 bis unter 40 Prozent vor. Der Anteil der Siedlungsblöcke mit einem Migrationsanteil von 40 bis unter 60 Prozent liegt rund dreimal höher als im Bundesdurchschnitt. Auch der Anteil der Siedlungsblöcke mit mehr als 60 Prozent Migrationsanteil liegt deutlich über dem bundesweiten Wert. In den Landgemeinden hingegen gibt es, ähnlich wie in den östlichen Bundesländern, eine linkssteile Verteilung mit einem globalen Maximum von 74 Prozent für Siedlungsblöcke ohne Einwanderer, gefolgt von Siedlungsblöcken mit eher niedrigen Migrationsanteilen. Lediglich 10 Prozent der Landgemeinden haben überhaupt einen Migrationsanteil von 10 und mehr Prozent.

Migrationsanteil im Siedlungsblock, Stadt - Land Vergleich
Migrationsanteil im Siedlungsblock, Stadt – Land Vergleich

Doch auch Großstädte untereinander unterscheiden sich je nach Bundesland deutlich hinsichtlich des Migrationsanteils. Die Grafik zeigt den mittleren Migrationsanteil je Siedlungsblock in Großstädten, gruppiert nach Bundeslandzugehörigkeit. Der Schnittpunkt der X-Achse wurde dabei auf den Bundesdurchschnitt von 20 Prozent gelegt.

Mittlerer Migrantionsanteil (Median) im Siedlungsblock

Während der mittlere Migrationsanteil in den östlichen Großstädten weitgehend unterhalb des Bundesdurchschnitts (Median) bleibt, weisen Metropolen im Westen, allen voran die Großstädte in Hessen, einen deutlich höheren Anteil auf.

Die folgende Karte fasst die bisherigen Ergebnisse noch einmal anschaulich zusammen: In den östli-chen Bundesländern gibt es mit der Ausnahme einiger größer Städte kaum Migration. Auch Berlin liegt im bundesweiten Vergleich der Großstädte hinsichtlich des mittleren Migrationsanteils auf dem Siedlungsblock eher im Mittelfeld. Der überwiegende Teil der Einwanderer lebt in den westlichen Bundesländern und konzentriert sich auf urbane Regionen. Demzufolge treffen neue Einwanderer je nach Region auf ganz unterschiedliche Bevölkerungszusammensetzungen, welche wichtige Rahmenbedingen für die eigene Integration sind. Im nächsten Artikel wird es um Faktoren gehen, welche die Wohnortwahl von Einwanderern beeinflussen. Er wird in ungefähr einem Monat veröffentlicht.

Mittlerer Migrationsanteil im Siedlungblock auf Gemeindeebene
Mittlerer Migrationsanteil im Siedlungblock auf Gemeindeebene

4. Hintergrund, Daten und Verfahren

Die vorangegangenen Betrachtungen basieren auf der Analyse des Merkmalspaket SB_BRD_MIG, welches im Folgenden eigehender vorgestellt werden soll.

Wenn Sie Interesse an diesem Punkt haben, dann fordern Sie bitte das komplette PDF per E‐Mail an bei:
s.gensch(at)infas360.de

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